Grenada IV

Grenada IV

Gestern abend bin ich mal wieder über meinem Reisetagebuch eingeschlafen – scheint doch ganz schön anstrengend zu sein, so eine Auszeit 😉!
Jedenfalls hat der Regenwald gestern seinem Namen mal alle Ehre gemacht! Es ist ja schon etwas nervig, ständig nass zu regnen, aber man trocknet auch ebenso schnell wieder und die Temperatur liegt mit oder ohne Regen bei angenehmen 28-30°.
Ich muss ja den Muskatnussvorrat meiner Mutter auffüllen und auch Ralf hat einen Auftrag bekommen, also sind wir mit dem Minibus die Westküste hoch nach Gouyave gefahren, da gibt es eine Muskat-Kooperative.
Ein Wort noch zu den Minibussen. Die fuhren auf den Kapverden ja auch schon, aber erst hier vervollkommnen sie die Kunst, die Dinger ständig bis zum wirklich allerletzten Platz vollzustopfen. Während der Fahrer jede/n Fußgänger*in in egal welcher Entfernung anhupt, um ihn auf die Mitfahrmöglichkeit aufmerksam zu machen (das ist auf jeden Fall nerviger als der Regen – „Hupe in wiederkehrenden kurzen Stößen bedienen“ scheint zur Grundausbildung der Fahrer zu gehören), ruft der „Kassierer und Schiebetürbediener“ allen zu Fuß gehenden gleiches zu. Die Busse selbst sind etwas größer als ein VW-Bus, haben meist 19! Sitzplätze und scheinen absolut unverwüstlich zu sein. Falls noch jemand einen Tipp für eine solide VW-Bus-Alternative sucht: das hier sind, wie schon auf den Kapverden, fast ausschließlich Toyota Hiace.
Als wir in Gouyave angekommen sind, stellt sich heraus, dass die Muskat-Kooperative für Besucher geschlossen ist (im Netz standen noch die Öffnungszeiten). Na toll! Gouyave ist ein ziemlich heruntergekommener Ort mit einer extrem hohen Kneipendichte – die aber auf uns alle nicht so einen sehr einladenden Eindruck machten. Also sind wir ein Stück zurück gefahren und durch den verregneten Regenwald zu einem weiteren Wasserfall gelaufen. Unterwegs gab’s neben Kakao und Avocados weitere Früchte zu sehen – keine Ahnung, was das war und ob essbar. An der Frucht von einem Baum hatte ich vor ein paar Tagen schonmal rumgedrückt – auch wenn Ralf sagt, ich solle nicht immer alles anfassen – bin da aber nicht recht weitergekommen. Von diesen Bäumen standen jetzt wieder einige riesige mit diesen an gelbe Eierpflaumen erinnernden Früchten am Wegesrand. Diesmal war meine „dran Rumdrückerei“ erfolgreich: die „Eierpflaume“ ging auf, teilte sich sauber in 2 Hälften – und darin lag eine Muskatnuss! Also noch nicht die Muskatnuss selbst, sondern eine harte Nuss, die von einem roten, adrigen Samenmantel umgeben ist – getrocknet als Macis oder Muskatblüte im Handel. Wenn man die dünne Schale der harten Nuss knackt, dann kommt man an die eigentliche Muskatnuss. Wir haben uns die Taschen vollgestopft – das sollte für ein Leben Rosenkohl-, Blumenkohl- oder Käsefondue-Würzen reichen – oder was einem sonst noch dazu einfällt. Die dünne harte Schale der Muskatnuss wird hier übrigens so wie bei uns Rindenmulch zum Abstreuen der Beete verwendet.
Heute Morgen hat eine neue Monsteryacht nicht weit hinter der good old Lady festgemacht. Beim Duschen denke ich ja immer: stell mal zum Wassersparen beim Einseifen das Wasser ab! Wenn man sich dann ansieht, mit wie viel Wasser hier die Boote jeden Tag gewaschen werden, könnte ich glaube ich jahrelang beim Einseifen das Wasser laufen lassen, um nicht so viel zu verbrauchen, wie gerade die zig Leute, die „Lady Lara“ (gebaut in Bremen von der Lürssen-Werft) auf Hochglanz polieren.
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9 thoughts on “Grenada IV

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      Na, da geht einem als Hobby-Botaniker ja das Herz auf!
      Da gehen die beiden Jungs mal eben auf einen Ausflug in den Regenwald. So wie das auf dem Titelfoto gallert, habt ihr vermutlich das komplette Ölzeug vom Boot an. (Evtl. ohne Schwimmwesten.)
      So anschaulich habe ich noch in keinem Botanikbuch Beschreibungen der Muskatnus gesehen. Super!
      Die drei Rugby-Bälle an dem Baum sind doch vermutlich Kakao-„Bohnen“, oder?
      Grandios. Hat Ralf solche Eindrücke eigentlich in etwa erwartet?
      Die Super-Yacht hat so was wie die „Good old Lady“ vermutlich als Beiboot irgendwo verstaut. Für einen normalen Millionär ist so ein Schiff wohl kaum zu finanzieren und zu unterhalten. Vielleicht lassen die euch als Nachbarn ja mal interessehalber an Bord.
      (Habe übrigens eben erst in der vorigen Bilderserie den Makaken im Geäst entdeckt.)

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      Hallo Dirk! Hab bisher leider keine Gelegenheit gefunden zu schreiben, obwohl ich dank Weltzeituhr meist früh weiß, was bei euch los ist! Tolle Bilder! Und Paul W. Wahl kann ich nur zustimmen: so faszinierend hatte ich mir die Anatomie einer Muskatnuss nicht vorgestellt! Bitte mehr davon! Man sieht doch manches in einem anderen Licht! 😃

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      Das ist schon beeindruckend, wie die Hälfte der Einträge sich seit der Ankunft in der Karibik um dämliche Muskatnüsse dreht! 😂Da möchte ich nun auch noch gerne zum Fachsimpeln beitragen und kurz erwähnen, dass die Muskatnuss botanisch gesehen keine Nuss, sondern eine Balgfrucht ist… Nüsse gehören zu den Schliessfrüchten, während Balgfrüchte zu den Öffnungsfrüchten zählen. 🤔

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      Aha …!

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      Das rote Netz (Samenmantel) ist übrigens auch essbar und wird als Mazis oder Muskatblüte gehandelt (gemahlen oder in Stücken). Also ja nichts verkommen lassen!

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      Hey Dirk, eine tolle Reise! Wir sind total begeistert von deinen Berichten und Fotos und schauen täglich , ob etwas Neues dazukommt. Weiterhin viel Spaß und schöne Weihnachten in der Karibik!
      Liebe Grüße von Katja und Knut 😉

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      Hallo Dirk,

      wir hätten vor einigen Wochen Macis oder Muskatblüte bei der Wurstherstellung gut gebrauchen können.
      Bei deiner jetzigen Station scheint es diese Gewürze ja reichlich zu geben.
      Es ist schon richtig toll, wie Du uns hier auf deiner großen Erlebnisreise mitnimmst und teilhaben lässt.
      Klasse!
      Heidi und ich wünschen dir weiterhin alles Gute, ein schönes Weihnachtsfest in der Ferne und einen guten Rutsch in Jahr 2021!
      Bleibe gesund und munter!

      Viele Grüße

      Gustav

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