Guadeloupe – II

Guadeloupe – II

Wenn du denkst, das Meer kann doch unmöglich noch türkiser (türkisener? doller türkis?) werden – tut’s genau das! So wie hier auf Guadeloupe habe ich das bisher noch nicht gesehen, echt toll!
Gestern am Samstag habe ich versucht meinen elektrischen Autopiloten reparieren zu lassen. Es ist wohl tatsächlich nur der Motor durchgeschmurgelt. Die Werkstatt kann aber erst am Montag die Lieferzeit aus Miami erfragen. Das ganze Gerät kostet ca. 950 € neu, der Motor 130 € plus das Einlöten. Ich habe mal die Motornummer im Netz eingegeben – den gibt’s da für 5,33 €, Made in China – steht auf dem kaputten auch drauf. Aber das Hauptproblem wird wohl sein, überhaupt einen Motor zu bekommen, egal zu welchem Preis. Wie schon geschrieben, würde ich es sonst mit den beiden schwächeren Ersatzgeräten versuchen und mir einen Ersatzmotor auf die Azoren schicken lassen.
Der heutige Sonntag ist mit Bootskram draufgegangen. Der neue Motor (also jetzt geht’s um den in Brest neu installierten Einbau-Dieselmotor) hat (ist?) jetzt 250 h gelaufen. Bei 300 h wäre ein Motorservice fällig – da werde ich aber wohl gerade auf der Überfahrt zu den Azoren sein und anderweitig beschäftigt sein. Also habe ich den Service auf heute vorgezogen und bei über 30° in der Kajüte das Motoröl und den Motorölfilter gewechselt, den Impeller gewechselt (das ist ein kleines Flügelrad, dass das Seewasser ansaugt und zur Kühlung durch den Motor pumpt) und den Diesel-Vorfilter durchgespült und den Filtereinsatz gewechselt. Jetzt fehlt nur noch die Reinigung des Rohrbündels im Wärmetauscher, aber dafür muss ich morgen erst Frostschutz kaufen! Hä, Frostschutz? In der Karibik? Ja, klingt in der Tat etwas merkwürdig. Aber da sind noch andere Dinge drin, die den Motor vor Korrosion schützen – und irgendwann wird die good old Lady wohl doch wieder in frostigeren Regionen liegen…
Apropos: meine Tage hier in der Karibik sind tatsächlich gezählt und ich muss mir langsam Gedanken machen, wo ich noch hinmöchte und von wo ich für die Überfahrt aufbreche. Hier in Bas-du-Fort bleibe ich bis zum 28.03.. Dann fahre ich für 1 Woche an die Westküste, fahre weiter die Westküste hoch und hüpfe dann rüber nach Antigua. Von dort werde ich ab Mitte April zu den Azoren aufbrechen. Dafür lasse ich mir von der Firma „Wetterwelt“ das Wetter „machen“ – bzw. den günstigsten Abfahrtstag berechnen. Ihr kennt vielleicht Meeno Schrader, der im NDR vor allem in Schleswig-Holstein den Wetterfrosch gibt. Dem gehört die Firma und er ist selber Segler. Ich habe dort schon vereinbart, dass ich denen ca. alle 5 Tage meine Position per Satellit schicke und sie zurück schreiben, welche Route ich wählen sollte, um z. B. Flauten oder schweres Wetter zu umgehen.
Aber erstmal gilt es hier jetzt um kurz vor 7 einen weiteren dieser traumhaften Sonnenuntergänge im Cockpit der good old Lady zu genießen! Wohlsein!
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8 thoughts on “Guadeloupe – II

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      Würde es dir helfen, wenn wir hier einen solchen Motor (bzw. drei davon 🙂 ) für deinen Autopiloten in D bestellen und dir nach Guadeloupe an die Westküste schicken? Du „müsstest“ dann allerdigs noch ca 20 – 25 Tage dort bleiben, dürftest dafür aber auch keine Zollprobleme haben, weil der Versand innerhalb der EU in ein „Ausnahmegebiet“ (in jeder Hinsicht 🙂 ) erfolgt?
      Mit Antigua sähe es leider mitlerweile etwas anders aus…

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      Also, ich habe aus der Entfernung und in meinem bequemen Bürostuhl große Schwierigkeiten, das alles zusammenzubekommen, was gerade auf dich einwirkt: Die traumhaften Sonnenauf- und Untergänge, das türkisblaue Meer, den Motorölfilter, den defekten Autopiloten und die Planungen für die „Große Überfahrt“.
      Hoffe, dass dich das alles nicht zu sehr mitnimmt.
      Viele gute Wünsche aus Schledehausen.

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      Als Antwort auf Lutz:
      Ja, daran gedacht habe ich auch schon. Aber von allen, die sich etwas aus Europa in die Karibik haben schicken lassen habe ich gehört, dass man dafür echt Zeit braucht, ein Monat wäre da gar nichts und dann ginge das Gerangel mit dem Zoll noch los. Außerdem müsste ich noch irgendwie das Antriebszahnrad von der alten Motorwelle abgezogen bekommen und auf den neuen Motor pressen lassen.
      Der Raymarinehändler hat heute jedenfalls herausbekommen, dass der Motor in den USA (wo Raymarine herkommt) derzeit nicht lieferbar ist. Also habe ich alle Zubehörhändler abgeklappert und einer hatte tatsächlich noch einen nagelneuen, kompletten Autopiloten liegen, den habe ich sofort gekauft und bin jetzt wieder komplett ausgerüstet!

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        Na, das ist zumindest die schnellste, unkomplizierteste und für dich beruhigendste Lösung 👍❗️
        Da du den Preis nicht genannt hast, wird’s wohl aus der Richtung „mein Schneider ist reich…“ sein.

        Aber was anderes: lässt du Bermuda jetzt in der Überfahrt aus?? Ich hab gestern zufällig mal die „blauen Routen“ (oderLinien?) gefunden, weil ich die Entfernung für 18Flugstunden wissen wollte (die sich ergeben, wenn man mit dem Routenplaner von Antigua auf die Azoren will) und die gehen von einem Weg Antigua – Bermudas- Azoren aus?

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          Genau, ich plane Bermuda jetzt doch nicht anzulaufen. Das Einklarieren dort soll ziemlich teuer sein, das Leben auch und die Covid-Testerei sehr umfangreich.
          Aber mein Kurs zu den Azoren wird aufgrund des vorherrschenden Windes von Antigua aus erst ziemlich genau nach Norden führen, ungefähr bis auf Höhe von Bermuda und dann erst quasi im rechten Winkel nach Osten auf die Azoren. Wie viel ich von diesem rechten Winkel abschnippeln kann, muss ich dann mal sehen.

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            Es sind übrigens keine blauen Linien oder Routen, die Seite hieß Blauwasser.de … 🤣
            Von dem 9 maligen arc Veranstalter jimmy cornell, kennste bestimmt, der liest sich auch für einen nicht – Segler sehr interessant. Vor allem seine Geschwindigkeitsstatistik der Teilnehmer bei unterschiedlicher Routenführung (Kapverden, dran vorbei oder mitten durch, er zeigt die trackingspuren zu unterschiedlichen Zeiten) – alles egal, der zeitunterschied ist auf die Entfernung gesehen echt gering …
            Leider gab’s keine Info von ihm über die Rückreise, wie sie dir bevorsteht, bleiben denn alle in der Karibik?

            „Eieiei, das sind aber viele!“

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              Also in der Tat bleiben glaube ich mehr Schiffe hier oder fahren durch den Panamakanal links rum einmal rum, als wieder von hier zurück nach Europa. Meine Nachbarn hier jetzt auch (Franzosen), die bringen das Schiff demnächst für die Hurricanesaison nach Grenada, fliegen nach Hause und kommen im Winter wieder, um in den Pazifik zu fahren.
              Blauwasser.de habe ich auch abonniert und den Artikel von Jimmy Cornell auch gelesen. ☝️In seinem vielbeachteten Werk „The ocean passages of the world“ gibt er den Hinweis, aus der Karibik kommend auf dem Weg zu den Azoren nicht nördlicher als 30°Nord/40°West zu segeln. Nördlicher ist die Wahrscheinlichkeit von schwererem Wetter größer, andererseits südlicher die Gefahr von ausgedehnten Flauten größer, da sind die Roßbreiten, wo früher in langen Flauten die Pferde über Bord geworfen wurden, um die Trinkwasservorräte zu schonen. Ich denke mir, ich kann besser für eine Woche zusätzlich Flaschenwasser mitnehmen als für eine Woche zusätzlich Diesel, dann dauert’s eben etwas länger. Und Pferde, die mir was wegsaufen, habe ich nicht an Bord.
              Andererseits ist es auch eine Strategie bis 40° Nord zu fahren, um mehr Wind zu bekommen, der für eine schnellere Passage sorgt…
              Es gibt eine ARC Europe, die fahren Anfang Mai von St. Maarten über Bermuda auf die Azoren, nehmen also die nördlichere Route. Die haben aber auch größere Boote…
              Ich werde also abwarten, was die Steckenwetterprognose von Wetterwelt rät.

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      Ich merke schon, für diese ganzen wichtigen, strategischen Überlegungen bin ich schon zu alt.
      Versuche auch gar nicht mehr, da „mitzukommen“.
      Mit meinen Aufgaben in Sachen Familienforschung, Planung des Gemeindearchivs, der Transkription alter Schriften und all dem täglichen Kleinkram bin ich zunehmend ausgelastet.
      Kann die seemännischen Strategen nur bewundern.

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