Martinique II

Martinique II

Heute Morgen hatte sich Miki gemeldet (der Slovake, den ich auf St. Lucia kennengelernt hatte und dessen erster größerer Segeltörn die Überfahrt von St. Lucia hierher war, nachdem seine Frau und er im Dezember das Boot erstanden hatten; ihr 15 Monate alter Sohn Max hat mich sogar wiedererkannt – gut, dass ich noch nicht beim Frisör war!). Ob wir nicht einen Kaffee trinken wollen, sie wären jetzt in dem ersten Café rechts vom Dinghidock.
Ja, wollte ich wohl gerne. Also bin ich dorthin. Heute Morgen war sehr viel Wind – und ich musste mit dem Schlauchboot gegenan. Zwischendurch hatte ich sogar Schiss, dass eine besonders starke Böe unter den gerade von einer Welle hochgehobenen Boden des Schlauchboots fasst, und uns nach hinten überschlagen lässt – ist aber zum Glück nicht passiert. Anschließend bin ich mit dem Bus nach Le Marin, um mir endlich eine lokale SIM-Karte zu kaufen. Hat auch geklappt! Martinique gehört ja zur EU und damit gilt hier die das kostenfreie Roaming, aber in Spanien und später in Portugal wurde zwei Mal mein Account gesperrt, da ich das Roaming angeblich überansprucht und damit vertragswidrig genutzt hatte – daher nun die lokale SIM-Karte.
Und da ich ohnehin schon in Le Marin war, dachte ich, könnte ich auch Hajo und Thomas besuchen, die in der dortigen Marina liegen. Wer das ist? „Mein“ Engländer, von dem ich damals mein voriges Boot „Coriander“ gekauft hatte, würde sagen: „Funny, how life turns out““:
Als ich im Januar/Februar 2020 in der Reha in St. Peter Ording die glorreiche Idee zu dieser Auszeit hatte, bin ich auf dem Rückweg in der Nähe von Hamburg bei einer Freundin vorbeigefahren. Ihr Mann und zwei Kumpels waren gerade dabei, etwas am Ruderblatt des Bootes zu laminieren, mit dem die Kumpels ihre Weltumsegelung machen wollten (ich selber hatte zu dem Zeitpunkt außer der Idee weder ein Boot, mit dem das geht, noch die Erlaubnis vom Arbeitgeber). Das war vor 2 Jahren – und jetzt liegen sie mit ihrem Boot so ca. 4 km Luftlinie von mir entfernt auf Martinique und freuen sich des Lebens! Also: Funny, how life turns out! Das war übrigens sehr nett dort!
Ich habe gerade noch den letzten Bus zurück nach St. Anne bekommen und musste von dort mit dem Schlauchboot zurück zur good old Lady. Die Taschenlampe hatte ich mal wieder vergessen, es war stockdunkel und noch immer viel Wind. Das war kein Spaß 🙄! In dem Ankerfeld liegen sicher um die 100 Boote, die meisten haben brav das Ankerlicht eingeschaltet (siehe das verwackelte Foto), ich auch – aber welches der traulich funkelnden Lichter gehört denn zur Teal? So ungefähr die Richtung wusste ich ja, aber da war sie nicht! Hat der Anker nicht gehalten, ist sie abgetrieben? Dann ist mir eingefallen, dass ich ja zufällig mein Navigationstablet dabei hatte (wegen der neuen SIM-Karte), da war der Track der Überfahrt von St. Lucia hierher drauf gespeichert und wo der Track endet, muss mein Boot liegen! Oh Mann, ich war ein ganz schönes Stück zu weit südlich am suchen, da hat der Wind mich ganz schön versetzt. Also in der einen Hand das Tablet, in der anderen die Motorpinne in dem bockenden Schlauchboot durch die Nacht. Ich hatte Angst, dass mir das Tablet auf der Huppelpiste aus der Hand fällt, dann wäre es im knöcheltief im Boot stehenden Wasser geplumpst – ist es aber nicht 😊! Ohne das Tablet hätte ich wohl auf die Morgendämmerung warten müssen… Also, wie soll das das nächste Mal gehen? Ich habe auf dem Smartphone ebenfalls die Navi-App und dort einen Marker gesetzt, und bei GoogleMaps meinen „Parkplatz“ markiert. Außerdem hat Ralf mir so eine aufblasbare Solarlampe dagelassen, die hat einen Blink-Modus. Und da hier sonst niemand blinkt, muss das dann die good old Lady sein! Oder aber, im bin einfach wieder im Hellen zurück, oder Mutti 😉?
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4 thoughts on “Martinique II

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      St. Anne – was soll man da erwarten?! Muss ja gut sein… 😊 wünsche dir weiterhin eine gute Reise! Anne

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        Immerhin übernimmst du ja auch einen Teil meiner Arbeit aus meinem vorherigen Leben, zusammen mit dem Hlg. Matthias! Da wurden schon Leute für weniger heilig gesprochen!

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      Er geht aber auch keinem Risiko aus dem Wege: Weder den Schlangen, den Vogelspinnen, den Stürmen auf hoher See und jetzt einem bockenden Schlauchboot und dem Wellengang.
      Und es ist man gerade erst Halbzeit. Weiterhin viel Glück!

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      Als wir auf der Theiss von der ukrainischen Grenze nach Tokaj gepaddelt sind hatten wir immer Nachtwache. Da wussten wir, wer nach Sonnenuntergang mit dem Motorboot an unsere Sandbank anlegt kommt nicht zum Freundschaftsbesuch! Bin schon neugierig zu wissen, was deine Bootsnachbarn gedacht haben, als du da im Dunklen mit deinem Schlauchboot umhergeirrt bist. Einige hatten bestimmt schon die Bratpfanne oder Machete bereit. 😂

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