Martinique V

Martinique V

Vorgestern bin ich in die Marina von Le Marin gefahren, um Enno heute Abend gut an Bord zu bekommen. Es gibt nur Liegeplätze quer zum Steg, wo man also mit dem Heck oder Bug voran anlegen muss. Wegen der Windsteueranlage hinten kann ich nur mit dem Bug voran anlegen und muss dann immer umständlich über den Bugkorb klettern, und das mit allem in der Hand was vom oder auf’s Boot muss. Bei der Reservierung hatte ich geschrieben, dass ein Längsseits-Liegeplatz toll wäre – und habe einen bekommen 😁! Das ist einer der Vorteile an einem kleinen Boot – man passt immer noch irgendwo dazwischen.
Gestern bin ich mit dem Dinghy zur Tankstelle gefahren und habe nach langer Zeit mal wieder alle Kanister gefüllt (nachdem ich vorgestern schon den elendig weiten Weg zu Fuß dorthin getrottet bin, um gerade passend zum Feierabend dort anzukommen – war vielleicht auch besser so, weil ich die 40 kg auf meinem armen Einkaufstrolley transportieren wollte). Außerdem habe ich immer noch die Baustelle mit meinem Teleskop-Vorsegelausbaumer. Der war ja auf der Atlantiküberfahrt gebrochen, ich hatte ihn gekürzt und er ist recht gut zu gebrauchen. Aber an den anderen Löchern für die Einrastung scheint er auch schon so Stellen im Alurohr zu haben, die auf eine ungesunde Biegung hindeuten. Daher würde ich auf den Rückweg gerne einen weiteren Ausbaumer als Ersatz mitnehmen. Gebraucht gibt’s so was hier irgendwie nicht, ich habe alle Läden abgeklappert (obwohl hier genug Schrottboote rumliegen – selbst hier im Hafen am Steg). Gestern habe ich endlich eine Firma gefunden, die mir nun einen neuen baut, der soll morgen Mittag fertig sein, kurz bevor ich mit Enno hier ablegen will.
Kurz bevor ich meinen Ankerplatz vor St. Anne verlassen habe, hörte ich es hinter der good old Lady im Wasser plantschen und jemand rief auf deutsch, ob ich zu Hause sei. Es gäbe eine WhatsApp-Gruppe der „Lossegler“ (diejenigen, die über den deutschen Verein „Trans Ocean“ organisiert sind und im Winter 21/22 zu ihrer Langfahrt aufgebrochen sind) und sie würden sich um 15.00 Uhr dahinten am Strand zum Picknick treffen – wenn ich Lust hätte… Das fand ich ja nett und bin dann tatsächlich da hin gefahren. Ich konnt’s ja kaum glauben, aber ich bin der einzige von so 20 Leuten, die da zusammengekommen sind, der wieder nach Hause muss, um ins Büro zu gehen! Die so in meinem Alter sind, haben alle aufgehört zu arbeiten und die jüngeren arbeiten vom Boot aus, die brauchen nur einen vernünftigen Internetzugang. Jaja, ich solle das mal versuchen, am 1. September wieder im Büro zu sein und meine Arbeitsjahre vollzumachen…
Und was mir jetzt wieder einfällt, wo ich sie gerade hier liegen sehe: so sehen vollreife, süße, saftige Orangen in tropischen Gebieten aus! Die sind grasgrün! Beim ersten Mal dachte ich, der Verkäufer nimmt mich auf den Arm – aber es stimmt! Ich habe gelesen, die bekommen erst durch einen Kältereiz ihre orange Farbe (und den gibt’s hier nicht 😉), bzw. werden für den europäischen Markt mit Ethylen begast – weil für uns „Grün = unreif“ ist.
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1 thought on “Martinique V

    • Author gravatar

      Interessant die Möglichkeiten, die sich heute jungen Leuten bieten. Zu deiner Jugendzeit gabs den Interrail-Pass und das wars. (Den gibt es – glaube ich – heute noch).
      Merke gerade, dass die von dir beschriebenen jungen Leute, ja alle in deinem Mittelalter sind.
      Bin mal gespannt, wie dir nach der Entbuschung wieder die berufliche Arbeit bekommt.
      Bin ja nun schon 22 Jahre Rentner, aber ich denke oft daran, dass mir die Arbeit eigentlich immer, bis zum Schluss, viel Freude gemacht hat. Trotzdem, mehr als die Arbeit vermisse ich heute die Kollegen.
      So als Einzelkämpfer am eigenen Schreibtisch ist das manchmal schon etwas einsam.
      Kann nur jedem Bald-Rentner raten, sich rechtzeitig vorher zu überlegen, was er nach der Stunde Null im Büro machen will. Das ist mir zum Glück gelungen.
      Euch noch eine gute Zeit.

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