Palmeira auf Sal

Palmeira auf Sal

Heute Mittag sind wir nach 7 Tagen und 1 Stunde sicher im Hafen von Palmeira auf der östlichsten der Kapverdischen Inseln, auf Sal angekommen. Nun hat mal alles wie geplant geklappt! Der Wind kam wie vorhergesagt, vor allem in der vorhergesagten Stärke und auch die Windrichtung haben super gepasst, so dass die good old Lady uns zusammen mit der Aries-Windsteueranlage sogor 1 Stunde eher als geplant hier abgeliefert haben.
Es ist schon echt abgefahren, was für einen tollen Planeten wir da zufällig erwischt haben! Wir haben einen Minkwal dicht am Boot vorbeischwimmen gesehen, so dass wir sein Atmen gut hören konnten, dass etwas beschwerlich klang. Wir haben Pilotwale gesehen und Delphine, die sich so hoch aus dem Wasser katapultiert und dabei um die eigene Achse gedreht haben, dass das doch nur pure Lebenfreude sein kann. Wir haben jede Menge riesengroße Meeresschildkröten überholt, die scheinbar unbeholfen und richtungslos in den Weiten des Atlantiks dümpeln, aber doch irgendwann irgendwo ankommen werden. Und wir haben jede Menge fliegende Fische gesehen, die sich auf der Flucht vor Freßfeinden aus dem Wasser katapultieren und auf ihren, zu „Flügeln“ umgebildeten Brustflossen, mehrere Hundert Meter weit übers Wasser gleiten. Den Freßfeinden mögen sie entkommen sein, aber wir haben leider jeden Morgen einige von ihnen eingetrocknet an Deck gefunden, heute Morgen waren es sechs Stück…
Eine Marina, wo wir mit dem Boot an einem Steg anlegen können, gibt’s hier wie bereits geschrieben nicht, nur eine einzige auf ganz Kap Verde, später in Mindelo. Bei der Einfahrt hier in die Hafenbucht hat uns ein Kapverdianer im Schlauchboot zugewunken, er hat uns eine freie Muringboje gezeigt, an der wir festgemacht haben. Eine Muringboje ist ein Schwimmer, der an einem dünnen Tau hängt, dass an einem dicken Tau hängt, dass an einem versenkten Betonblock festgemacht ist. So spart man sich das Ankern und es passen mehr Boote nebeneinander. Man kann hier auch ankern, dann kostet es nix, aber ich bin ganz froh, dass wir die 5 EUR pro Nacht bezahlen, da wir so direkt einen einheimischen Ansprechpartner haben. Wenn wir Diesel, Wasser oder Gas brauchen, er besorgt’s.
Was wir anschließend in 3 Stunden erlebt haben, reicht eigentlich für ein ganzes Jahr! Abgefahren, wie anders hier alles ist.
Unser „local guide“ hat uns eine Stunde später vom Boot abgeholt, um mit uns und der Besatzung von einer französischen Yacht zur Covid-Kontrolle zu fahren. Zufällig ist heute noch ein Arzt gekommen (die Franzosen kamen gestern an und durften so lange nicht von Bord). Die Kontrolle sah dann so aus, dass auf dem Kai ein Polizist, der mit einem klapprigen Fahrrad angeradelt kam, unsere Impfzertifikate sehen wollte (aber ohne sie mit unseren Ausweisen zu vergleichen, die wollte niemand sehen) und eine Frau in roter Kittelschürze an den Händen Fieber gemessen hat. Dann mussten wir noch sagen, wer von uns jeweils der Kapitän ist, und das war’s.
Eine Stunde später hat unser local guide uns dann erneut abgeholt, um uns zur lokalen Polizei zu bringen. Als wir uns dem Fischerbootkai genähert haben, waren wir endgültig in eine andere Welt getaucht. Das gibts ja gar nicht, was für eine Stimmung da auf einmal auf uns wirkt – nur 7 Tage per Boot von Europa entfernt: Fischer, die ihre Netze im seichten Wasser, schwer von Fisch, leeren, andere, die am Ufer Fische ausnehmen, planschende Kinder, eine Frau, die auf ihrem Kopf einen Korb bunter Wolle trägt und auf deren Rücken ein in ein Tuch eingebundenes Baby schläft – und über allem hängt die für diese Inselgruppe so typische, sehr rhythmische Musik – volle Pulle, aber echt nett. Auch in der Poizeistation läuft die Musik.
Eben war unser local guide wieder da und hat das bestellte Wasser gebracht. Die Gasflasche kann er erst am Montag füllen, da ihm ein Adapter fehlt.
Jetzt pumpen wir gleich das Beiboot auf, rudern an Land und tauchen erneut ein in diese Mischung aus Afrika und Portugal.

Jetzt ist mir eben was echt blödes passiert. Ich habe aus irgendeinem Grund die Speicherkarte formatiert und damit alle Bilder gelöscht. Alle Wale, fliegenden Fische usw., alles weg. Das schnelle Herausnehmen der Karte hat zumindest die Fotos bis Brest gerettet, aber die tollen Bilder von hier sind alle weg. So ein Kack! Ok, demnächst gibt’s neue…

2

2 thoughts on “Palmeira auf Sal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert