Teneriffa

Teneriffa

Wir haben auf Gran Canaria noch einen Tag länger auf schwächeren Wind gewartet und sind gestern Morgen um 5 Uhr losgefahren. Angesagt waren noch 6 Beaufort statt 7 am Vortag. Es heißt dann in der Vorhersage immer, z. B. „6 Bft., in Böen bis 7“ – aber wenn der Wind wie gestern fast ausschließlich aus Böen besteht, sind es eben eigentlich durchgehend 7. Aber wir waren diesmal bestens vorbereitet und es es war eine tolle Überfahrt – und es ist nichts kaputtgegangen! Ich hatte bereits im Hafen das 3. Reff ins Großsegel gebunden und an einem abnehmbaren Vorstag eine kleine Sturmfock als Vorsegel gehisst. Das sah zwar zunächst wahrscheinlich ziemlich lächerlich aus, als wir mit Sturmbesegelung durch die Fast-Flaute motort sind, aber sobald man aus dem Windschatten der Insel raus ist, wird wie auf Knopfdruck der Wind angeschaltet – und unser Segel-Setup hat sich als goldrichtig erwiesen. Die Windsteuerung hat uns wie auf Schienen (die zugegebenermaßen in einem Schlingerkurs verlegt waren) durch den aufgewühlten Atlantik und sicher hierher gebracht. Während die von Lutz so treffend beschriebene Venturi-Düse auf der südlichen Gran-Canaria-Seite erst so ca. 10 Seemeilen auf See beginnt, hält sie auf der östlichen Teneriffa-Seite bis unmittelbar an die Hafeneinfahrt durch.
Beim Hafen habe ich nochmal umgeplant, da ich jetzt so ca. 12 Nächte bleibe und die eigentlich geplante Marina genau doppelt so teuer sein sollte, wie die, in der ich jetzt liege. Die hier ist außerdem näher am Flughafen (ja, stimmt, man hört es auch etwas…) und – da bin ich total happy – ich liege längs an einem Fingersteg und nicht quer zum Steg an einer Mooringleine. Das geht zwar beides, aber längsseits kommt man bei mir viel einfacher vom Schiff, als wenn man mit dem Heck zum Steg liegt. Das geht bei mir auch gar nicht, weil die good old Lady – ich erwähnte es bereits – rückwärts nur dorthin fährt, wohin sie der Wind drückt – und das ist ja mitunter nicht die gewünschte Richtung. Außerdem sitzt hinten die Windsteueranlage, sodass ich mit dem Bug voran anlegen muss und das An- und Von-Bord-Gehen ein echter Kletterakt ist. In Pasito Blanco hatten wir das so – geht irgendwie, aber so wie jetzt, geht’s viel besser!
Und jetzt kommt das Beste: ich bin ja auf der Suche nach einem Segelmacher, der mir eine neue Lazybag („Segeltasche“ entlang des Baums) macht, da die alte ja wie berichtet zwischen Fuerteventura und Gran Canaria zerrissen ist. Ich habe gestern Abend noch jemanden gefragt, der meinte hinten im Hafen, bei Tom. Da bin ich heute morgen hin, habe aber keinen Tom oder Segelmacher gefunden, bis ich mal das Kleingedruckte gelesen habe. Da stehen mehrere Seecontainer und an einem war mit Tesafilm eine Visitenkarte geklebt. An die Telefonnummer habe ich auf englisch eine WhatsApp geschickt und ein paar Minuten später bekomme ich eine Antwort:
„Hallo Dirk ! Ich melde mich später bei Dir…..neuer Lazybag kein Problem ! LG Thomas“
☺
Tja, und dann mussten sich Nils & Gabi heute Morgen leider nach 10 Tagen verabschieden! Jetzt gerade werden sie wohl losgeflogen sein. Das hat total viel Spaß gemacht, war echt nett. Zu dritt war das vom Platz her ganz ok, für 10 Tage sowieso und das Meiste spielt sich ohnehin draußen ab. Aber wenn ich dran denke, dass das Boot in den 70er Jahren für 6 Personen ausgelegt war…
Das hier ist dann also der Platz, von dem aus ich in ca. 12 Tagen Richtung Kapverden aufbrechen werde, sobald Matthias angekommen ist. In den 12 Tagen werde ich mir Teneriffa etwas ansehen, gleich wühle ich erstmal mein Faltrad unter der Vorschiffskoje hervor.
Ich weiß noch, dass mein Vater mal von der Arbeit aus auf Teneriffa war, da war ich – keine Ahnung mehr, echt klein. Er hatte eine Postkarte geschickt, da war sein Hotel drauf, sein Zimmer mit so ’nem Kugelscheiberpfeil markiert. Und daneben stand eine riesige Palme! Eine Palme! Mein Vater war irgendwo in der Nähe von Afrika, wo Palmen wachsen! Das fand ich damals total stark, wollte ich auch! Tja, und jetzt bin ich hier! Auf eigenem Kiel! Funny, how life turns out!
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1 thought on “Teneriffa

    • Author gravatar

      Ja, unfassbar schön war es! Und auch wenn mich der Alltag schnell wieder eingeholt hat (daher der späte Kommentar), ich möchte nicht eine Minute dieser Zeit missen! Das du jemanden gefunden hast, der dir einen neuen und auch noch BESSEREN Lazybag näht freut mich, schliesslich bin ich nicht ganz unschuldig, dass das überhaupt nötig wurde… Hoffentlich wird Tom pünktlich fertig!
      Wir werden deine nächsten Etappen mit noch größerer Begeisterung verfolgen, da wir durch die Zeit, die wir dabei sein durften, eine ganz andere Sicht darauf bekommen haben, was du da treibst! (Das zum Beispiel wenn du „Schlingerkurs“ schreibst, eine Achterbahn gemeint ist 😂. Und, und, und,… )
      Wenn es klappt, nutzen wir die nächste Gelegenheit, um dich ein weiteres Stück deiner Reise mit der „good old Lady“ zu begleiten – wenn wir dürfen😊!

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